Volksfest in Chiang Rai

Wenn man alleine mit dem Rucksack durch Thailand reist, dann erlebt man so einige skurrile Begebenheiten. Ich hielt mich gerade für eine gute Woche im nordthailändischen Chiang Rai auf, einem Städtchen, in dem nicht allzuviel los ist.

Die meisten Reisenden halten hier entweder, um die Stadt als Ausgangspunkt zu Touren im sogenannten Goldenen Dreieck oder als Zwischenstopp für die Weiterreise nach Laos zu nutzen. Jede Nacht hörte ich aus der Ferne Musik und Lärm, wie man es von Volksfesten kennt, und so schnappte ich mir eines Abends ein Taxi und ließ mich dorthin bringen.

Tatsächlich hatte es viel mit den Volksfesten, die man aus Mitteleuropa kennt, gemein: Zahlreiche Essensstände, Stände mit Kleidern, Gürteln, Taschen und sonstigem Zeugs und natürlich jede Menge Fahrgeschäfte, Gewinnspiele usw. Ich war die einzige Weiße, die sich unter die Einheimischen gemischt hatte, sah Käfige, in denen man Hamster in Puppenkleidchen gesteckt hatte, zahlreiche Essensstände mit Insekten und sonstigem gegrillten Ungeziefer und stoppte auch bei einem ganz normalen Jeansstand, um mir selbst ein neues Paar Jeans zu kaufen.

Das war allerdings gar nicht so einfach, weil die Größen auf zierliche Thai-Frauen ausgerichtet waren und es schwierig war, eine Jeans in europäischer Konfektionsgröße 40 zu finden. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich bereits drei Personen am Jeansstand mobilisiert, die nach Leibeskräften nach einer Jeans suchten, die mir passen könnte. Obwohl es keine Kabine gab, probierte ich am Stand einige Jeans. Zwei Frauen schützten mich mit Tüchern vor fremden Blicken, genossen aber selbst, einmal einen Blick auf einen weißen europäischen Hintern zu erhaschen und amüsierten sich köstlich. Natürlich konnte keiner am Stand Englisch und wir verständigten uns mit Händen und Füßen.

Irgendwann passte tatsächlich eine Jeans, was bei den Thais einen unglaublichen Jubel auslöste. Sie sprangen herum, als ob die eigene Mannschaft bei der Fußball-WM gewonnen hätte. Eine Frau fiel mir ständig um den Hals mit den Worten “I love you!”. Es waren vermutlich die einzigen englischen Worte, die sie kannte.

Leave a Reply

Your email address will not be published.